Besser kann es Ihr Nachbar auch nicht erläutern!

Waldkrankenhaus Bad Düben

 und seine Tradition

Warum musste ein Krankenhaus für Bombengeschädigte gebaut werden?
Wer war eigentlich die Organisation Brandt?


Kaum jemand in der Welt kennt das Waldkrankenhaus in Bad Düben. Die allerwenigsten wissen, dass es sich bei Bad Düben um eine Ortschaft im Norden von Leipzig handelt.
In diesem Krankenhaus gibt es eine Traditionsecke. Das Krankenhaus beruft sich darin auf seine Gründung im Jahre 1943.
Zur Erinnerung, zu diesem Zeitpunkt tobte bereits seit vier Jahren ein mörderischer Krieg in der Welt, der 2. Weltkrieg. Die Barbarei, das finsterste Mittelalter (Carl von Ossietzky) in Gestalt des Faschismus, versuchte die Demokratie zu vernichten.
Mit einer Mitteilung über das Gründungsjahr hätten es die Traditionalisten des Waldkrankenhauses auch belassen können. Aber es folgen weitere Informationen.

Das Waldkrankenhaus wurde auf Anordnung der Organisation Brandt, dem Leibarzt A. Hitlers, für Bombengeschädigte erbaut.

Die armen bombengeschädigten Opfer könnte man denken. Ist nicht nur der Krieg zu seinen Anstiftern zurückgekehrt? Wer war denn nun die Organisation Brandt?

Eine Antwort lässt sich dazu schnell auf Wikipedia, der freien Enzyklopädie, finden. Unter dem Namen Brandt sind viele Informationen zu finden. Eine Organisation Brandt gibt es nicht, dafür eine Aktion Brandt, geleitet vom Namensgeber Karl Brandt.
Karl Brandt war der Ranghöchste unter den Angeklagten im Prozess gegen Mediziner im Rahmen des Nürnberger Ärzteprozesses (9. Dezember 1946 bis zum 20. August 1947). Er wurde wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschheit zum Tode verurteilt und hingerichtet.


Ab dem 1. September 1939 war Brandt einer der Beauftragten für die Tötungen der Aktion T4 im Rahmen der so genannten "Euthanasie" in den NS-Tötungsanstalten Hadamar, Schloss Grafeneck, Schloss Hartheim, Sonnenstein, Bernburg sowie in Brandenburg.
Aktion T4 (Tiergartenstraße 4). In dieser Berliner Villa befand sich während der NS-Zeit die Zentrale für die Leitung der Ermordung behinderter Menschen im gesamten Deutschen Reich.

…durch die allein in ihrer offiziellen Phase (1939-1941) über 70.000 geistig und körperlich behinderte Menschen von Ärzten heimtückisch und grausam ermordet wurden, durch die methodisch und organisatorisch der Genozid, der Holocaust eingeübt wurde…
Prof. Dr. med. Richard Toellner: 60 Jahre nach dem Nürnberger Ärzteprozess - Konsequenzen für Gesundheitspolitik und Gesellschaft? Interdisziplinäre Tagung an der Katholischen Universität Eichstätt Januar 2006


Brandt war auch Generalkommissar für das Sanitäts- und Gesundheitswesen. In dieser Funktion sorgte er für die Koordination zwischen zivilem und militärischem Gesundheitswesen. Teil seiner Aufgaben war die Schaffung von Bettenplätzen für Ausweichkrankenhäuser und Lazarette. Hierzu wurden in der nach ihm benannten "Aktion Brandt" auch Patienten von Heil- und Pflegeanstalten verlegt oder getötet. Ausschlaggebend für die Zahl der zu verlegenden und damit zu tötenden Patienten waren nur noch die Arbeitsfähigkeit der Kranken und der als Folge eines Luftangriffes prognostizierte Bettenbedarf.

Im Rahmen der Aktion Brandt entstand dann auch das Waldkrankenhaus Bad Düben.


Glanz & Elend – Magazin für Literatur und Zeitkritik:
Charakterstudie eines Vollstreckers Hitlers Arzt Karl Brandt


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